Was ist eigentlich ein WirGarten?

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Ein WirGarten ist ein professioneller Gemüsebaubetrieb, der als Genossenschaft organisiert ist (GemüseGenossenschaft) und seine Mitglieder ganzjährig mit Gemüse versorgt.

Bisher gibt es einen WirGarten, nämlich die WirGarten Lüneburg eG, die gleichzeitig unser Pilotbetrieb ist. Mit unserem WirGarten-System unterstützen wir Dich dabei, einen WirGarten auch in Deiner Region zu gründen - und dann gibt es bald WirGarten-Genossenschaften überall in Deutschland!

Und das steckt hinter den Bausteinen:

regenerativer Gemüsebau WirGarten Open Social Franchise Netzwerk

Regenerativer Gemüsebau

Jeder WirGarten arbeitet nach den Prinzipien des regenerativen (aufbauenden) Gemüsebaus: Ökologischer Anbau, minimale Bodenbearbeitung, ganzjährig bedeckter Boden, ganzjährig durchwurzelter Boden, hohe Anbauvielfalt, samenfeste Sorten. Diese Prinzipien verfolgen wir durch die Anbausysteme Market Garden und Mulchgemüsebau und setzten außerdem im Sinne der ganzjährigen Vielfalt auf Wintergärtnerei und Lean Farming für effizienten Gemüsebau.

Warum?

Durch jahrzehntelange Ausbeutung und Verschmutzung der natürlichen Ressourcen Luft, Wasser, Boden und der Ökosysteme gerät zunehmend unsere Lebensgrundlage in Gefahr. Der entstandene Schaden ist so groß, dass reine Nachhaltigkeit (ein Erhalten des Status Quo) nicht mehr ausreicht, sondern es einen Aufbau von Ressourcen braucht.

Solidarische Landwirtschaft WirGarten Open Social Franchise Netzwerk

Solidarische Landwirtschaft

Jeder WirGarten vermarktet sein Gemüse nach dem Prinzipien der Solidarischen Landwirtschaft / Community Supported Agriculture (Solawi/CSA), d.h. die Mitglieder tragen die laufenden Kosten und bekommen wöchentlich einen Ernteanteil. Ein WirGarten hat also ganzjährige Ernteverträge, versorgt seine Mitglieder ganzjährig und vielfältig und zahlt seinen Mitarbeiter*innen faire Löhne. Außerdem ist ein WirGarten als Genossenschaft organisiert, d.h. alle Mitglieder sind gleichzeitig Konsument*innen und Produzent*innen ihres eigenen Gemüses.

Warum?

Gemeinschaftsgetragenes Wirtschaften ermöglicht es, dass Risiko und Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt wird. Nicht mehr ein einzelner Landwirt/eine einzelne Gärtnerin trägt die Verantwortung für die Ernte und das Risiko eines Ernteausfalls, sondern die Mitglieder zusammen. Jährliche Ernteverträge schaffen außerdem Planungssicherheit - und es muss kein Gemüse weggeworfen werden, weil alles an die Mitglieder verteilt wird.

Genossenschaft 2.0 WirGarten Open Social Franchise Netzwerk

Genossenschaft 2.0

Jeder WirGarten ist eine Genossenschaft (und das WirGarten-System bald auch). Das bedeutet, dass jedes Mitglied eines WirGartens auch Miteigentümer*in seines/ihres WirGartens ist! Das WirGarten-System sieht keine Eintrittsgelder, keine Dividendenausschüttung und nur Angestellte als Vorstandsmitglieder vor und verpflichtet jeden WirGarten zu einer transparenten Kommunikation gegenüber seinen Mitgliedern. Genossenschaftsmitglied wird man übrigens unkompliziert online - und für die Kommunikation der Mitglieder untereinander gibt es eine digitale Mitgliederplattform.

Warum?

Die Genossenschaft ist eine demokratischen Rechtsform, die es möglich macht, dass Menschen gemeinsam ein Wirtschaftsunternehmen besitzen und führen. Die Rechtsform ist außerdem eine super Grundlage, um genossenschaftliche Werte wie Transparenz, Mitbestimmung und Gemeinwohlförderung zu leben.

professionelle Kommunikation WirGarten Open Social Franchise Netzwerk

Professionelle Kommunikation

Kommunikation ist für jeden WirGarten von zentraler Bedeutung, um eine Verbindung zwischen dem operativen Team, dem Gemüsebaubetrieb als Ort und den Mitgliedern herzustellen. Unser Ziel? Wir wollen Mitglieder und Nicht-Mitglieder zu echten Fans vom WirGarten machen und sie für frisches, regionales Gemüse begeistern. Wir wollen, dass sie sehen können, wie und wo ihr Gemüse angebaut wird, dass sie sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen und Zusammenhänge in der Lebensmittelproduktion besser verstehen.

Warum?

Wir wollen mithelfen, dass Bürger*innen wieder Ernährungssouveränität erlangen und sich für einen Wandel im Landwirtschaftssystem einsetzen. Dafür ist es notwendig, aktiv auf verschiedenen Kanälen zu kommunizieren und persönliche Geschichten zu erzählen, wo immer dies möglich ist.

CommunityBuilding WirGarten Open Social Franchise Netzwerk

Community Building

Der Gemüsebau und die Mitglieder / Community stehen im Mittelpunkt eines jeden WirGartens. Aus diesem Grund ist das gesamte WirGarten-System so aufgebaut, dass ein großer Teil der Ressourcen des Teams in diese beiden Felder fließen kann - und nicht etwa in die Verwaltung. Eine digitale Mitgliederplattform, wöchentliches Mitgärtnern, Gartenführungen und andere Veranstaltungen in eurem WirGarten sind daher Standard, und Mitgliederinitiativen gern gesehen.

Warum?

Ohne Wir kein WirGarten! Es braucht Begegnungsräume, damit Beziehungen zwischen Mitgliedern und Team und unter den Mitgliedern entstehen können und damit eine echte Community. Zusammen auf dem Acker stehen, beim Ernten unterstützen, zusammen jäten oder pflanzen, schafft Verständnis für Gemüsebau, regenerative Landwirtschaft und die Saisonalität von Gemüse, aber auch Wertschätzung für landwirtschaftliche Arbeit und die produzierten Lebensmittel.

digitale Verwaltung WirGarten Open Social Franchise Netzwerk

Digitale Verwaltung

Jeder WirGarten arbeitet mit digitalen Tools, einer Cloud-Lösung für die Dateiablage und möglichst papierlos. Jedes Teammitglied bekommt beim Onboarding einen Laptop und ein Outdoor-Handy, auch die Anbauplanung erfolgt digital (mit dem Anbauplaner).  Mitglieder- und Ernteverträge können nur über die Website abgeschlossen werden, so dass die Mitglieder- und Ernteverwaltung komplett digital erfolgt. Die Beiträge werden per Lastchrift eingezogen - und um möglichst wenig Ressourcen in die Buchhaltung zu stecken, arbeiten alle WirGarten-Genossenschaften mit dem WirGarten-System Steuerbüro zusammen.  Ein umfassendes IT-System ist Teil unseres Angebots für Mitglieder.

Warum?

Je weniger ein WirGarten Ressourcen in bürokratischen Prozessen versenkt, desto mehr davon können in den Kern, d.h. den Gemüsebau, die Mitgliederkommunikation und das Community Building, fließen!

moderne Arbeitsorganisation WirGarten Open Social Franchise Netzwerk

Moderne Arbeitsorganisation

Jeder WirGarten ist eine selbstorganisierte Organisation mit flachen Hierarchien und sehr klaren Strukturen, Regeln und Prozessen, die die Eigeninitiative mit Verantwortungsübernahme und fachliche und persönliche Entwicklung fördern. Ein WirGarten ist ein Arbeitsplatz und -ort, der mit dieser Arbeitskultur und -struktur vor allem unternehmerische und verantwortungsbewusste Menschen anzieht, die sich den täglichen Herausforderungen stellen, immer wieder nach neuen Lösungen suchen und diese konsequent umsetzen. Auch das WirGarten-System-Team arbeitet nach diesen Prinzipien.

Warum?

Wir wollen selbstbestimmtes und sinnorientiertes Arbeiten auf Augenhöhe im Team. Und wir verstehen einen WirGarten auch als einen Ort für persönliches und fachliches Wachstum.

Smarte Logistik WirGarten Open Social Franchise Netzwerk

Smarte Logistik

Egal ob Kommissionierung auf den Abholort oder fertig gepackte Ernteanteile- jeder WirGarten kann individuell festlegen, wie das Gemüse zu seinen Mitgliedern kommt. Wichtig ist, dass die Abholung alltagstauglich ist und die Abholorte zentral gelegen, gut verteilt und gut erreichbar sind.  Wird das Gemüse transportiert, sollte Elektromobilität die erste Wahl sein.

Warum?

Das Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft ist aus heutiger Alles-rund-um-die-Uhr-Versorgungsmentalität bereits eine Einschränkung in puncto Verfügbarkeit und Menge, daher halten wir es für strategisch sehr wichtig, möglichst alltagstaugliche Abholorte für die Mitglieder anzubieten. Ein WirGarten ermöglicht außerdem kurze Transportwege für die Lebensmittel der Mitglieder - diese sollten trotzdem so kurz und nachhaltig wie möglich gestaltet sein.

modulare Infrastruktur WirGarten Open Social Franchise Netzwerk

Modul: Modulare Infrastruktur

Für den Bau der Infrastruktur setzen wir auf modulares Bauen, Containerlösungen, wenige Baupartner*innen und Plug&Play-Lösungen, wenn euer Betrieb auf "der grünen Wiese" startet. Ein WirGarten kann aber auch auf bestehenden Höfen oder mit vorhandener Infrastruktur entstehen.

Warum?

Ein WirGarten sollte in der Nähe seiner Mitglieder entstehen - das wird in den meisten Fällen eine unbebaute Ackerfläche sein. Das WirGarten-System ist genau darauf ausgelegt: Die baulichen Anlagen sind zum einen auf das absolut notwendige beschränkt, und sie sind mobil und somit einfach rückbaubar. Aber: Ein WirGarten ist auch auf einer vorhandenen Hofstelle möglich! Sprecht uns dafür gerne an.

Jedem Baustein sind Mindeststandards und Entwicklungsziele zugeordnet. Diese findet du hier und im letzten Kapitel des Handbuches.

Start- und Zielbetriebsgrößen für einen WirGarten

Wir haben uns sehr intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wie groß ein WirGarten mindestens sein muss und wie groß ein WirGarten maximal sein soll - und sie treibt uns weiterhin um. Denn zum einen wollen wir, dass ein WirGarten dauerhaft und langfristig stabil wirtschaftet, um faire Gehälter zahlen zu können und um organisatorisch so resilient zu sein, dass Urlaubs-, Krankheits- und Elternzeitvertretungen auch in der Saison leicht möglich sind.

Zum Anderen ist es uns genauso wichtig, dass der persönliche und transformative Charakter eines WirGartens bewahrt bleibt, d.h. dass die Genossenschaftsmitglieder sich gegenseitig und auch die Mitarbeiter:innen ihres WirGartens kennen, also persönliche und direkte Beziehungen entstehen können. Im Forschungsprojekt nascent wurde dies als "Das Trilemma einer stabilen Organisationsgröße" bezeichnet.

Unseren aktuellen Stand haben wir aus den Praxiserfahrungen aus unserem Pilotbetrieb in Lüneburg und aus dem Austausch mit anderen GemüseGenossenschaften erarbeitet.

Beratung Gemüsebau und Bodenfruchtbarkeit WirGarten Open Social Franchise Netzwerk

Prämissen:

  • Attraktive und faire Gehälter sind uns  von Anfang wichtig, damit die Menschen, die die sehr anspruchsvollen Aufbaujahre stemmen, angemessen entlohnt werden. Lieber finanzielle Verluste in den Anfangsjahren als prekäre Arbeitsverhältnisse.
  • Es braucht eine Top-Anbautechnik und -Infrastruktur, die einen zuverlässigen und professionellen Gemüsebaubetrieb ermöglicht. Das ist die Grundlage für entspanntes und effektives Arbeiten mit viel Freude und ist langfristig günstiger.
  • Die Ziel-Betriebsgröße sollte bereits zum Betriebsstart definiert werden, um alle strategischen Entscheidungen (Fläche- und Standortwahl) und alle langfristigen und nicht-modularen Investitionen entsprechend zu tätigen. Außerdem hilft eine Zielbetriebsgröße dem Team und der Genossenschaft dabei, ein gemeinsames und klares Ziel zu verfolgen.
  • Das einzige regenerative Anbausystem, das für diese Betriebsgröße in Frage kommt, ist Mulch-Gemüsebau mit ganzjähriger Gemüseversorgung und optionalem Kartoffel-Zukauf.

Kapitalbedarf zum Start: 500.000 €

  • Investitionen Infrastruktur: 150.000€
  • Investitionen Maschinenpark: 155.000€
  • Investitionen Betriebs- und Geschäftsausstattung: 35.000€
  • WirGarten-System Betriebsaufbau-Gebühr: 20.000€
  • Vorsteuer für Investitionen: 70.000€
  • Liquiditätspuffer für Betriebsstart: 70.000€

Startbetriebsgröße

Betriebs-Team WirGarten Open Social Franchise Netzwerk
  • Start-Umsatz: 225.000€ (300 M-Ernteanteile)
    • 2,55 Vollzeitstellen Gemüsebau
    • 0,5 Vollzeitstellen Kommunikation & Administration
    • 0,2 Vollzeitstellen Logistik
  • Start-Flächenbedarf: 6ha
    • Mulch-Gemüsebau: 2ha
    • Geschützter Anbau: 600qm
    • Gründüngung: 2,4 ha
    • Infrastruktur, Wege, Gehölz- und Blühstreifen: 1ha
  • Start-Gehälter: (Arbeitnehmer:in-Brutto)
    • Kern-Team: 3.000€ Vollzeitstelle (40h/Woche)
    • Team: 2.250€ Vollzeitstelle (40h/Woche)
    • Saisonkraft: 10,5€ pro Stunde

Zielbetriebsgröße

Eröffnungsfeier WirGarten Open Social Franchise Netzwerk
  • Ziel-Umsatz: 380.000€ (500 M-Ernteanteile)
    • 4,25 Vollzeitstellen Gemüsebau
    • 0,6 Vollzeitstellen Kommunikation & Administration
    • 0,35 Vollzeitstellen Logistik
  • Ziel-Flächenbedarf: 10ha
    • Mulch-Gemüsebau: 3,25ha
    • Geschützter Anbau: 1.000qm
    • Gründüngung: 5,05ha
    • Infrastruktur, Wege, Gehölz- und Blühstreifen: 1,6ha
  • Ziel-Gehälter: (Arbeitnehmer:in-Brutto)
    • Kern-Team: 3.500€ Vollzeitstelle (40h/Woche)
    • Team: 2.750€ Vollzeitstelle (40h/Woche)
    • Saisonkraft: 12€ pro Stunde

Detailliertere Zahlen befinden sich in unserer Muster-Finanzplanung. Wenn Du konkrete Fragen dazu hast, kontaktiere uns gerne.